„Ich habe immer ein klares Ziel vor Augen“
Sami Sadat floh im Alter von 18 Jahren aus Afghanistan und baute sich in Köln mit Unterstützung der Hans Günther Adels-Stiftung sowie der Stiftung Die Gute Hand eine Existenz auf

Leben bedeutete für Sami Sadat als Kind und Jugendlicher vor allem zu überleben. Der heute 27-jährige gebürtige Afghane wuchs in einem von jahrzehntelangem Bürgerkrieg und strengen islamischen Regeln geprägten Land auf, das Selbstverwirklichung oftmals nur als Mitläuferschaft im System kennt. Armut und Hunger bestimmen auch heute noch den Alltag vieler Menschen im Staat, der nach einem Eroberungsfeldzug wieder von den Terrorgruppen der Taliban beherrscht wird. Vor 10 Jahren beschloss Sami, seine Heimat zu verlassen. Seine Eltern versuchten nicht, ihn daran zu hindern, sondern befürworteten die Entscheidung, denn sie fürchteten um die Zukunft ihres Sohnes in einer Nation, in der politische Verfolgung, Unterdrückung und Terror zum Alltag gehören. Doch Sami sollte auch seinen zwei Jahre jüngeren Bruder mitnehmen. Um die Reise mit stellenweise bis zu zwölf Personen in einem PKW und später per Schiff zu ermöglichen, wurden Schleuser bezahlt.

„In Afghanistan gab es keine Sicherheit für ein Leben, in dem ich mich weiterentwickeln konnte.“ Sami Sadat

Nach einer rund 45-tägigen Flucht, die sich durch den Iran, Pakistan, die Türkei, Griechenland und Serbien zog, betraten die Geschwister im Oktober 2015 deutschen Boden. Zunächst in einem  Münchener Camp untergebracht, wurden die Brüder in die Region Köln vermittelt. „Ich wollte eigentlich nur in ein friedliches Land, egal in welches. In Afghanistan gab es jedenfalls keine Sicherheit für ein Leben, in dem ich mich weiterentwickeln konnte. Das war mir klar, daher hatte ich keine Wahl“, erklärt Sami rückblickend. „Das wichtigste war, so schnell wie möglich die neue Sprache zu lernen, damit wir uns verständigen konnten. Ich habe mir in einem dreimonatigen Kurs viel Mühe gegeben, um das zu schaffen. Dabei habe ich auch viele nette Leute kennengelernt“, berichtet der mittlerweile fließend Deutsch sprechende junge Mann. So konsequent, wie Sami seine vorherigen Pläne umsetzte, ging er auch das nächste Ziel, eine Berufsausbildung, an. „Ich wollte unbedingt arbeiten. Tätigkeiten im Büro haben mir schon immer Spaß gemacht. Nach dem Praktikum in einer Frechener Firma startete ich dort eine dreieinhalbjährige Ausbildung im Bereich Kaufmännisches Büromanagement, die ich auch abschloss“, informiert der Wahlkölner. Nach weiteren Stationen als Verkaufskoordinator und Versicherungsberater reifte der Wunsch nach Selbstständigkeit und mündete schließlich in der Eröffnung des E.I.T. Gebäudreinigungsunternehmens. Die Kürzel stehen für „Environment Improvement Technician“, einer, so Sadat, „respektvollen Bezeichnung“ für die umfangreichen professionellen Arbeitstätigkeiten im Bereich des Reinigungswesens für Gewerbeeinrichtungen.

„Wenn man als fremder Mensch in einem neuen Land einfach mal an die Hand genommen wird, kann das schon sehr zur Integration beitragen.“ Kathrin Grüger, Referentin der Hans Günther Adels-Stiftung

Die Biographie des einstigen Flüchtlings vom Schutzsuchenden zum Firmen-Gründer in einem wohlhabenden demokratischen Staat ist imponierend, doch nicht die Regel. Abseits der zahlreichen Gefahren auf dem langen Weg aus Kriegs- und Krisengebieten werden die geflüchteten Menschen in den Zielländern mit anderen Mentalitäten, mitunter auch mit Vorurteilen und Ablehnungen in der Bevölkerung konfrontiert. Um die Integration in einer fremden Welt zu erleichtern, sind geschulte Helfer als Begleit- und Ansprechpersonen unerlässlich. Zu letzteren gehört Kathrin Grüger. Die Pädagogin ist zugleich Zuhörerin und Ratgeberin für Personen in schwierigen Situationen. „Wenn man als fremder Mensch in einem neuen Land einfach mal an die Hand genommen wird, kann allein das schon sehr zur Integration beitragen“, erklärt die Mitarbeiterin der Hans Günther Adels-Stiftung. Diese Hilfe habe auch ihm das Zurechtfinden in einer unbekannten Umgebung einfacher gemacht, bestätigt Sami Sadat, der im Zuge seines damaligen Aufenthalts in der Wohngemeinschaft des WG-Hauses am Gereonswall, das die Hans Günther Adels-Stiftung errichtet hat, Unterstützung erfuhr.

„Alle Bewohner des WG-Hauses am Gereonswall haben bisher ihren Weg gemacht.“ Ingrid Hilmes, ehemaliges Vorstandsmitglied der Hans Günther Adels-Stiftung

Als Erfolgsstory bezeichnet Ingrid Hilmes das Wohnmodell „Gereonswall“ im Eigelsteinviertel. Die vier modern eingerichteten, komplett sanierten Appartements für jeweils zwei Personen waren ab 2017 zunächst für junge ausländische – zum Teil unbegleitete – Erwachsene vorgesehen. Mittlerweile werden auch deutsche Bewohner aufgenommen. „Es ist bezeichnend für die professionelle Betreuung und die Wohnqualität des Hauses, dass bisher alle Leute eine Berufsausbildung abschließen konnten und ihren Weg in ein eigenständiges Leben gemacht haben“, berichtet die langjährige Geschäftsführerin der Kämpgen-Stiftung.

„Du musst wissen, was du willst und darfst dich nicht dazu verleiten lassen aufzugeben, wenn es mal etwas schwieriger wird.“ Sami Sadat

Wenn alles weiterhin wirtschaftlich so gut laufe, wolle er expandieren und vermehrt Mitarbeiter einstellen, berichtet ein optimistischer Firmenchef. „Ich hatte immer ein klares Ziel vor Augen und habe mich nie davon abbringen lassen. Ich glaube, das macht auch den Erfolg im Leben aus. Du musst wissen, was du willst und darfst dich nicht dazu verleiten lassen, aufzugeben, wenn es mal etwas schwieriger wird“, so Sami Sadat, der langfristig die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben möchte. Den Kontakt zu seinen Angehörigen in Afghanistan hält er über das Internet. Ein Besuch ist derzeit aufgrund der angespannten politischen Lage nicht möglich. Eines Tages möchte der verheiratete Geschäftsmann und Vater zweier Kinder jedoch zu seinen Eltern zurückkehren und davon erzählen, wie er in der Ferne sein Glück fand.

E.I.T. Gebäudereinigung, Hauptstraße 409, 51143 Köln, Telefon: 02203 924 05 69,
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Text: Thomas Dahl
Foto: Thomas Dahl